Millionen Domains nicht erreichbar: DENIC legt .de-Domains lahm
In: Rund um die Domain | Autor: Stefan | Keine Kommentare »Aufgrund eines Kopierfehlers beim Einspielen aktueller Daten in die Nameserver der DENIC ist es am vergangenen Mittwoch dem 12.05.2010 zu einem großflächigen Ausfall der deutschen .de-Domainzone gekommen. Wie Golem.de meldet wurde der Kopiervorgang bei 12 von insgesamt 16 Servicestandorten der DENIC unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt war ungefähr ein Drittel der Daten übertragen worden, so dass von insgesamt über 13 Millionen deutschen Domains fast 9 Millionen .de-Domains für die Anwender nicht erreichbar waren. Betroffen waren nicht nur die Nutzer von Webhosting-Angeboten und deren Besucher, auch Anwender, die einen Root- oder Managed Server mieten, konnten ihre Dienste nur noch über die IP-Adresse des Servers erreichen.
Erste Berichte über Probleme bei der Auflösung von Domain-Namen gab es in der Mittagszeit gegen 13.30 Uhr. Erstaunerlicherweise dauerte es offenbar einige Zeit, bis der Fehler der DENIC bekannt war, da die DENIC gegenüber Golem noch gegen 13.45 Uhr meldete, dass keine Fehler bekannt seien. Erst gegen 14.20 Uhr schaltete die zentrale deutsche Domain-Registrierungsstelle die fehlerhaften Standorte nach und nach ab. Erst um 15.45 Uhr waren alle 16 Nameserver wieder erreichbar. Da die meisten Internet-Provider die Abfragen der Nameserver allerdings in einem Cache zwischenspeichern, kam es für Anwender bis in die frühen Abendstunden zu Problemen.
Weitere Top-Level-Domains waren im übrigen nicht betroffen. So gab es bei den internationalen Domains wie .com, .net, .org oder .info keine Probleme. Auch bei den weiteren deutschsprachigen Domainendungen Österreichs .at und der Schweiz .ch hatte die Störung keine Auswirkungen.
Während des Störungszeitraums musste die DENIC auch die Domain Registrierung deaktivieren, da die Last auf die Registrierungs-Server ungewöhnlich hoch war. Viele Nutzer gingen offenbar davon aus, dass die nicht-erreichbaren Domains nicht vergeben waren. Dies führte zu einem regelrechten Run auf die Domain-Registrierung, da auch viele kommerziell interessante deutsche Domains von den Störungen betroffen waren. Die DENIC versichert aber, dass es zu keinen Datenverlusten in der Registrierungsdatenbank kam und daher keine Domains fälschlicherweise gelöscht wurden.
Durch die Domain-Störungen kam es auch zu Problemen bei allen Diensten, die auf der Erreichbarkeit von Diensten über das Internet basieren. So berichte zum Beispiel der Webhosting- und Telefonie-Provider 1&1 in seinem Blog, dass es auch zu Störungen bei der Voice-over-IP-Telefonie (VoIP) kam, auf der viele Telefonanschlüsse heutzutage aufsetzen.
Gravierender als die kurzfristige Nicht-Erreichbarkeit von Internetseiten dürften aber die Probleme bei der Email-Auslieferung sein. Normalerweise sollten Mailserver die Anwender informieren, wenn eine Email wegen einer nicht-existenten Domain nicht ausgeliefert werden kann. Allerdings halten sich offenbar nicht alle Server an diese Konventionen, so dass unter Umständen Mails nicht zugestellt wurden ohne dass der Anwender eine Fehlermeldung erhalten hat. Bei wichtigen Emails, die in der betroffenen Zeit versandt worden sind, sollte man also beim Empfänger erkundigen, ob die Email erhalten wurde.
Allerdings hatte die Nicht-Zustellung von Emails für einige Anwender auch eine positive Seite. Durch das insgesamt reduzierte Email-Aufkommen wurde auch deutlich weniger Spam zugestellt. Auch für einige Arbeitnehmer und Selbstständige dürfte die zeitweise Ruhe im Posteingang nicht nur negative Folgen gehabt haben. Einige Stunden konnte in Ruhe gearbeitet werden, ohne durch dringende Mails gestört zu werden.